Ancillary Fees
Wenn's die Flugpreise zerlegt
Martin
Prater / Travel Manager Raiffeisenbank International
Zu Ancillary Fees bei RBI: Bis dato ist das noch kein Thema
in der RBI, auch deshalb weil uns noch keine Informationen oder
Stellungnahmen der Airlines vorliegen. Auch die Reisebüros
rechnen frühestens im Herbst mit Details dazu.
Über die Bedeutung der Ancillary Fees für den Travel
Manager: Die "Airline Ancillary Services" stellen
eine Komplettlösung für den Verkauf von Zusatzleistung
in allen Airline-Vertriebskanälen dar, aber wie bei den CRS-Fees
wird auch hier der Kunde zur Kasse gebeten, ohne Mitentscheidungsrecht,
und das ist definitiv die falsche Vorgehensweise.
Die größte Herausforderung für den Travel Manager
ist, trotz steigender Supplier-Kosten, die Gesamtkosten für
das Unternehmen so niedrig wie möglich zu halten. Das wird
auch in Zukunft so bleiben.
Über den Einfluss der Ancillary Fees auf die Reiserichtlinien:
Sollten die Ancillary Fees bei den österreichischen Reisebüros
tatsächlich bis Jahresende 2011 eingeführt werden, wird
das an unseren Reiserichtlinien nichts ändern. Die Mitarbeiter
werden weiterhin beim Vertragsreisebüro buchen. Die Höhe
der Fees muss jedoch individuell mit dem Reisebüro verhandelt
werden können.
Über Erwartungen an die Airlines: Wir erwarten uns
von den Airlines mehr Informationen im Vorfeld und stärkere
Einbindung in derartige Diskussionen. Es tut einer Geschäftsbeziehung
nicht gut, wenn eine Seite vor vollendete Tatsachen gestellt wird.
Über Erwartungen an die GDS: Auch hier gilt der gleiche
Wunsch wie bei den Airlines. Vorrangig aber auch mehr Transparenz
in Bezug auf geplante Änderungen.
Über den Trend Ancillary Fees: Die letzten Jahre haben
gezeigt, dass der Trend bei den Airlines eher steigend als gleich
bleibend ist. Verständlicherweise müssen auch die Airlines
ihre Ergebnisse verbessern, um auf dem Markt existieren zu können.
Gleichzeitig sollten aber Lösungen herangezogen werden, die
für beide Parteien akzeptabel sind.
Bettina
Herzog / Travel Managerin Wild GmbH
Zu Ancillary Fees bei Wild GmbH: Bei uns ist noch nicht
viel über das Thema gesprochen worden. Wir schauen natürlich
auf den Preis und halten unsere Mitarbeiter dazu an, so früh
und kostengünstig als möglich zu buchen. Nachdem wir eher
Kurzstrecken mit einer maximalen Flugdauer von zwei bis drei Stunden
fliegen, etwa nach Deutschland oder in die Schweiz, kommen Zusatzangebote
bei uns sowieso eher wenig zum Tragen.
Über Erwartungen an Airlines und GDS: Es geht um eine
bessere Darstellung der Zusammensetzung der Preise. Was kostet jetzt
wirklich das Gepäck und was das Kerosin? Grundsätzlich
muss der Kunde besser informiert werden.
Über den Trend Ancillary Fees: Der Gesamtpreis im Flugbereich
wird dadurch steigen. Auch das Gepäck wird in diesem Zusammenhang
höchstwahrscheinlich teurer.
Herbert Koubek / Travel Manager Siemens
Zu Ancillary Fees bei Siemens: Ancillary Fees sind ein großes
Thema. Wir warten ab, was da noch alles auf uns zukommt und werden
dann wohl unsere Reiserichtlinien anpassen. Bei den Low Costern
ist das Essen ja seit jeher zu bezahlen. Ob die Toilette noch dazukommt?
Unsere Mitarbeiter haben auf ihrer Geschäftsreise jedenfalls
einen Geschäftsauftrag zu erfüllen und alles, was damit
zusammenhängt, etwa mehr Gepäck, muss die Firma zahlen.
Das Thema Unterhaltung ist ein anderes. Kopfhörer sind dienstlich
nicht unbedingt begründet. Will sich der Mitarbeiter einen
Film ansehen, kann er die paar Euro selbst bezahlen.
Über Erwartungen an die Airlines: Grundsätzlich
können wir nur Tarife mit Airlines verhandeln und nicht die
Zusatzgebühren. Deshalb suchen wir natürlich auch nach
Alternativen - bei den Emirates kann man beispielsweise mehr Gepäck
transportieren als bei der Lufthansa. Wichtig ist, genau zu eruieren,
was noch alles kommt, und dann zu reagieren.
Über Erwartungen an die GDS: Die Zusatzangebote müssen
auf jeden Fall über die GDS buchbar sein. Es kann nicht sein,
dass wir den Flug über das Vertragsreisebüro buchen, aber
die Zusatzangebote über die Airline.
Über den Trend Ancillary Fees: Die Zusatzangebote und
-gebühren werden mehr werden. Das ist aus Sicht der Airlines
auch verständlich, sie müssen wirtschaftlich arbeiten.
Was wirklich kommt, kann ich jedoch nicht sagen.
Interview: Maria Schoiswohl
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